Erwachsene

"-Macht Euch keine Sorgen" sagte die Große als wir ihr vom Downsyndrom ihres frischgebackenen Bruders erzählten.
"- Es ist eine Mutation der Eizelle, die spontan passierte und so ist das 21 Chromosom dreifach vorhanden" - das hatte sie in der Schule gelernt, in Bio, so völlig normal und Wissenschaftlich. Er wird sich halt anders entwickeln, aber das macht doch nix...
Die Mittlere, damals dreizehn zog sich etwas zurück in ihr Schneckenhaus. Ich dachte es hätte mit ihrem Bruder zu tun. Im Grunde wahrscheinlich eher mit ihrer Pubertät und der Tatsache, dass Mama nicht so für sie da war.
Es gab einen Aufsatz darüber wer in Augen der Schüler ein Held sei.. Mein Bruder ist mein Held, schrieb sie. Er kämpft gerade auf der Intensivstation um sein Leben... Da kommen mir sogar jetzt noch die Tränen.. Damit habe ich nicht gerechnet..
Die Oma und der Opa meinten, es kommt was kommt. Sie sind eher Realitätsbezogen.
Die Uhroma sagte die ins Herz reingebrannten, Kraft gebeden Worte:
"- Man nimmt was Gott gibt"

Kleine Kinder fragen nicht mal, sie akzeptieren das was ist. Die größeren Fragen das was sie gerade interessiert.
- " Warum hat er so rote Bäckchen?"
Kurze Antwort meinerseits und die Sache ist gegessen. Es wird gefragt warum der Junge nicht spricht, kurze Antwort und dann ist es akzeptiert. Warum hat er eine Brille, warum ist er so langsam... Akzeptiert.
Was hat er denn? Behindert? Ist er dann dumm? Antwort und Akzeptanz.
Manche Fragen tun weh, aber gut erklärt werden sie einfach akzeptiert und gut.
Dann gibt es die etwas älteren die sich lustig machen. Die Fragen nicht, die machen oder sagen einfach das was sie gelernt haben. Und zwar von uns Erwachsenen.
Bei Teenagern ist Xboy sehr beliebt. Die fahren voll auf ihn ab- in ihren Worten gesagt.
Junge Erwachsene sind etwas skeptisch- je nach dem was sie als Kind gelernt haben.
Die Erwachsenen..
Ich finde, dass hier die Integration anfangen sollte. Denn wir Erwachsenen zeigen und erklären unseren Kindern die Welt. Sie sprechen das aus was sie zu Hause gehört haben. Die Erwachsenen sollten informiert und aufgeklärt werden. Sie blenden oft Themen aus aus Angst, aus Desinteresse, aus dem Ego heraus. Höher, weiter, schneller, besser, schöner, reicher, schlauer... Das ist das Ding der Erwachsenen, nicht das der Kinder.
Und sie sprechen hinter vorgehaltener Hand und nicht gerade heraus. Kinder tun es nicht. Sie sagen was sie beschäftigt, was ihnen nicht passt, was sie interessiert.
Omas und Opas sind am Ende einfach nur über das neue Leben froh- egal wie es ist.

Ich bin auch so voller Schubladen.
Je mehr ich weiß, desto weniger werden sie.

Es geht immer um einen Menschen, eine Persönlichkeit nicht um die Diagnose, das Aussehen, die Erkrankung, Behinderung, Hautfarbe, Nationalität....