wo stehe ich

Wenn du mich fragst wo ich momentan stehe.dann kann ich nur antworten HIER, genau hier, mitten drin. Mitten im Leben.

Mit Höhen und Tiefen.

Mit Freude und Trauer.

Mit Leichtigkeit und mit schwerer Last auf meinem Rücken.

Mit Kopf voller Gedanken und im nächsten Moment wie " Flasche leer"

- meistens dann wenn ich ihn am meisten gebrauchen würde..

Es nennt sich Stilldemenz wurde mir gesagt.. Wenn ich damit durch bin, wird, soll es sich stabilisieren. Na, da bin ich aber mal gespannt. Ich warte sehnsüchtig der Zeit entgegen.

Es hat natürlich auch so seine Vorteile und ich kann es auch manchmal als Ausrede benutzen...aber nur manchmal ;-)

Wie Falschgeld durch die Gegend laufen ist aber meistens belastend.

Ewig auf der Suche nach  verlegten Sachen, oder nach Wörtern die mir einfach nicht einfallen wollen. Ich verpenne, verwechsle oft meine Termine, lese sie falsch und speicher sie falsch in meinem Kopf ab..und anstatt nochmal in den Kalender zu schauen, verlasse ich mich auf das was im Kopf ist- nichts :-)

Vor zwei Wochen sollte ich beim Down Syndrom Onlinekongress  an einem Interview teilnehmen. Die Veranstalterin schickte mir eine Mail  mit genauen Zeitangaben und dem Verlauf. Ich lese es, speicher es ab.

Am besagtem Tag mache ich mich hübsch, bereite mich vor und freue mich wahnsinnig, gleich um 15.30 Uhr dabei zu sein.

Mein Mann bereitet alles vor und ruft mich. Ich voller Erwartung in die Küche kommend...

In der nächsten Sekunde habe ich vor Wut und Enttäuschung über mich selbst geheult..

Mein Mann sagte mit gesenktem Kopf und leiser Stimme:

" Schaaaatz, das Interview fand um 13.30 Uhr statt."

Was soll man dazu sagen? Am besten nichts.

Ich war trotzdem dabei! Danke M.  :-)

 

Wenn irgendwas passiert bin ich schnell mit meinen Emotionen überflutet, egal in welche Richtung.

Es sind zwei mir nahe stehenden Menschen verstorben, es hat mich mitgenommen, viele Gedanken ausgelöst. Gut, es ist ja normal, keine ungewöhnliche Reaktion. Nur bei mir kommt es mit voller Wucht und es dauert seine Zeit mich davon zu lösen.

Xboy war schon auf einer Beerdigung. Glücklicherweise bekommt er noch nicht viel mit.

Wenn ich schlechte Laune habe, dann koche ich fast über, wehe es steht jemand neben mir, sagt etwas oder fragt wie es mir geht...Bombe!

Meine Freundin kam mich besuchen. Wollte mir von einem freudigem Ereigniß erzählen. Sie hat es nicht geschafft überhaupt ein Wort davon zu sagen. Vielleicht hat sie sogar angesetzt.. Ich war so mit etwas beschäftigt, schimpfte vor mich hin, dass ich nichts davon bemerkte wie glücklich sie ist! Sie ging ohne ein Wort darüber sagen zu können..

Mein Mann fragte mich, nachdem sie weg war: " - Und? Wie findest du es?" Ich schaute ihn verständnisslos an: "- He? "

Peinlich. Traurig.

Kopflos? Oder doch nur mit sich selbst beschäftigt? Hormone?

Ich vermute das zweite.

Alles dreht sich in meinen Gedanken um Xboy und um mich. Wärend ich Haushalt mache, koche, einkaufen gehe, spazieren gehe, Termine wahrnehme. Die meiste Zeit bin ich mit mir alleine und mit dem Baby..Oh, da hab ich viel Zeit zum Denken! Über mich..so was wie:

mache ich es richtig, sollte ich es anderes machen, vielleicht mache ich zu viel, zu wenig, nicht gut genug? Vielleicht sollte es anderes sein , besser, schneller, mehr, weniger.. Fühlt sich mein Baby so oder so oder anderes nur weil ich etwas falsch mache? Oder vielleicht mache ich alles richtig? Sollte ich noch dies und jenes ...bla, bla...

Früher da war ich eher mit anderen beschäftigt als mit mir selbst, schon Berufsbedingt.

Ein befreundeter Psychologe sagte mal zu mir:

" Solange du merkst, dass du spinnst, ist alles gut "

Das stimmt.

Ich bemerke es früher oder später. Dann bin ich voller Reue, kann vieles reparieren. Bin aber dadurch mit mir selbst unzufrieden und gehe mit mir ins Gericht. Der Innere Kritiker und der Richter urteilen hart über mich. Dann schließt sich der Kreislauf und es geht wieder los mit den Gedanken über mich...

Alte Muster heißen mich willkommen. Ich hatte sie schon alle hinter mir, dachte ich. Ich hatte sie schon mal entlarvt und abgelegt.

Es wird Zeit sich ihnen nochmal zu widmen.

Wir alle haben unser Päckchen zu tragen, alte Geschichten die sich manifestieren und zu Verhaltensweisen werden, zu immer wieder kehrenden Gedanken, gefolgt von Handlungen. Wenn Emotionen nicht in Schach gehalten werden, können sie unser Handeln bestimmen. Hamsterrad.

Wir alle können uns im Zaum halten, an uns arbeiten, uns verändern.

Es kann aber passieren, dass durch ein Erlebniß oder eine unerwartete Situation, diese unerwünschten Gedanken, Emotionen, Verhaltensweisen ans Tageslicht kommen. Überhand gewinnen.

Gedanken wie: es ist meine Schuld, ich bin nicht gut genug, ich sollte besser sein...

Ich möchte nicht immer nur mit mir beschäftigt sein! Wie übrigens sehr viele Menschen, die aus diesem Rad nicht rauskommen.

Das beste Beispiel dafür ist:

Stell dir vor, du hast angefangen zu Joggen. Bist voller Stolz und Eifer dabei. Hast es geschafft es regelmäßig zu tun. Du triffst eine Bekannte und erzählst ihr davon. Was antwortet sie? Was meinst du?

Nicht, dass sie total stolz auf dich ist und sich für dich freut. Das sind die wenigsten. Meistens sagen die Menschen sowas wie: " Ich wollte auch schon immer joggen. Ich schaffe es einfach nicht. Ich habe keine Zeit. Muss immer arbeiten oder, oder.."

 

Also werde ich jetzt meine Ärmel hochkrempeln und anfangen es zu verändern!

Zu aller erst habe ich meine Wand gelb angemalt, wie in meinem Gedicht schon geschrieben, um im Winter etwas positives Licht abzubekommen ;-)

Na gut, nicht gelb. Aber sehr positiv gestaltet. Es hat mir Freude bereitet und mich total entspannt. Auch Xboy und der Rest der Familie hatten ihren Spaß dabei.

Ich versuche immer bei der Sache zu sein die ich gerade tue. Es gelingt mir nicht immer, aber je länger ich es übe umso besser klappt es.

Ich rede über meine blöden Gedanken mit meiner Freundin, mit meinem Mann und manchmal mit der ganzen Familie.

Ich habe mich bei dem Online Kongress angemeldet um Informationen über das Down Syndrom zu haben. Je mehr man weiß umso besser ist man auf bestimmte Situationen, Probleme, wie auch Positives vorbereitet.

Ich habe wieder mit Yoga angefangen.

Ich treffe mich mit Freunden um mal über sie und ander Sachen zu reden.

Ich höre viel Musik und fange an Bücher zu lesen.

Nachrichten schauen ist auch gut, um auch andere Themen zum reden zu haben.

 

Mir fällt bestimmt noch so einiges ein..werde Euch auf dem laufenden halten.

Wenn Ihr was loswerden wollt, Ideen habt, dann schreibt mir einfach.

Bis bald

Eure Ma

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

meine Wand