Was ich von meinem Sohn lerne

 

Wenn der kleine Keks am spielen ist, dann macht es mir persönlich sehr viel Freude ihn dabei zu beobachten. Es ist so unheimlich interessant und spannend.

Oftmals wünschte ich es mir in seinen Kopf reinschauen zu dürfen.

Mit welch einem Eifer und welcher hingabe er einfach sachen tut!

Er probiert aus. Er erkundet. Er staunt!

All das was wir schon längst verloren haben.

Was uns erwachsenen oft einfach fehlt.

In Handlung kommen ist manchmal schwer.

Viel einfacher ist es sich in Gedanken zu verlieren oder sich Dinge vorzustellen, zu träumen, anstatt sie einfach mal zu tun. Und dann zu staunen was dabei herauskommt.

 

Mein Kind bringt mir bei oder besser gesagt erinnert mich daran in die Handlungsebene zu kommen. Neues auszuprobieren, sogar mit der Angst im Nacken.

Auch er hat Angst umzufallen wenn er z.B das Stehen übt.

Ich sehe es ihm an, ich merke es wenn er sich krampfhaft an mir festhält. Und trotzdem steht er immer wieder auf und probiert es wieder von vorn. So lange bis die Angst nachlässt und er entspannt da stehen und zum beispiel klatschen kann. Musik hilft ihm dabei. Wenn wir singen geht es leichter, wenn wir Musik hören auch.

 

Ich habe diese Beobachtung übernommen und bei mir ausprobiert. Zahnarztbesuch ist bei mir mit der Angst stark verbunden. Ich musste eine längere Prozedur über mich ergehen lassen. Ich nahm mir Musik mit. Über Kopfhörer ströhmten die Töne in mein Ohr und die Angst war zwar da, aber sie ruckte in den Hintergrund. Ich fühlte mich etwas entspannter und mutiger.

 

Auch wenn ich unangenehme Gespräche vor mir habe oder Dinge tun muss und meinen inneren Schweinehund erstmal vertreiben muss, denke ich an meinen Sohn. Er inspieriert mich und ich lerne von ihm.

 

Xboy muss sich im Leben alles erarbeiten was uns praktisch in den Schoß gelegt wurde.

Von Anfang seines noch kurzen Lebens, bis er wahrscheinlich alt ist.

Er musste lernen alleine zu Atmen, er kämpft um seinen jeden Muskel, Körperspannung, er muss vieles sehr oft üben ob Körperlich oder kognitiv. Und ohne, dass er es weiß ist er ein Vorbild für uns.

 

Stets an und mit sich zu arbeiten, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und immer wieder von Vorne probieren, bis es sitzt. Sein eigenes Tempo zu akzeptieren und nichts übers Bein zu brechen.

Die Angst überwinden oder sie anzunehmen.

 

Ich beobachte seine Nonverbale Kommunikation und staune was möglich ist. Wir müssen nicht immer Monologe führen um bei jemandem anzukommen oder sich darzustellen. Bei ihm reicht einfach mal ein Lächeln. Ein verstohlener Blick. Eine Geste. Die Menschen reagieren auf ihn.

Wenn er jemanden nicht mag, oder keine Lust auf ihn hat, oder einfach mal seine Ruhe will, dann dreht er sich einfach weg.

Warum tun wir es nicht? Es wäre doch so einfach sich zu trauen und zu signalisieren, ich habe momentan nicht die Muße mich mit dir auseinander zu setzten.

Bei einem Kind nehmen wir es hin, beim Erwachsenen wäre es unhöflich.

 

Was absolut faszinierend ist, ist der Gemütszustand meines kleinen Mannes. Morgens macht er seine Augen auf und strahlt.

Schaut uns an und kommuniziert ohne was zu sagen „ -hej, schön dich zu sehen! Toll, dass es dich gibt!“

Ist das nicht wunderbar!

Würden wir uns das nicht alle wünschen?

Morgens anstatt uns mit Gedanken oder Handlungen zu foltern?

Anstatt ins Badezimmer zu gehen in Spiegel zu schauen und sofort etwas an sich zu meckern zu finden? Oder den Plan für den heutigen Tag zu überdenken und zu überlegen worauf wir keinen Bock haben?

Ist es nicht möglich die Augen aufzuschlagen, Pa zu sehen und zu sagen: „-Hej, schön dich zu sehen! Bin froh neben dir aufgewacht zu sein!“ So beginnt der Tag schon viel angenehmer und wenn er so beginnt, so wird er auch weitergehen.

Ich habe einen Vortrag von Rüdiger Dahlke gesehen über die Schicksalsgesetze, in diesem beschreibt er solche Morgende. Schaut mal bei Gelegenheit rein wenn ihr Online unterwegs seid, ist sehr interessant und teilweise lustig vorgetragen.

 

Freude zu empfinden und zu leben ist für manche Menschen schwer. Xboy würde es nicht verstehen. Noch nicht. Denn alles was neu ist und ein Gefühl hervorruft ist mit Freude verbunden. Sich drehen prickelt im Bauch. Eis essen fühlt sich so kalt an, dass es innerlich zur Gänsehaut kommt und manchmal der Kopf vor Kälte weh tut. Mit Blättern spielen knistert so schön. Einen Hund anzufassen ist so weich und so gemütlich. Das alles ist pure Freude!

Ich fühle jetzt mehr, ich schmecke bewusster ich horche in mich hinein und versuche zu definieren und wahr zu nehmen. Es zählt der Augenblick und der einzige Moment.

 

Keinesfalls ist unser Xboy immer lieb und freundlich.

Oh, er kann auch anderes.

Denn wenn er etwas nicht will dann zeigt er es auch. Er kann auch wunderbar ignorieren oder schreien. Neuerdings auch mit Sachen um sich schmeißen.

 

Bei der Physitherapie hat er die Therapeutin erstmal überhaupt nicht angeschaut. Er hat zwar das gemacht was sie verlangte brüllte aber vor sich hin und zeigte seine Wut. Erst als es ihm gelungen ist alleine einen Vorgang zu schaffen klaarte er auf, entspannte sich und freute über seinen Erfolg. Ab diesem Moment schaute er sie auch an und nahm Kontakt zu ihr auf.

Und nein, es passierte nicht nach paar Minuten, sondern erst beim vierten mal!

Ich schaue immer zu und er tat mir so schrecklich Leid, erst jetzt verstehe ich aber sein Verhalten. Sie wollte etwas von ihm, was ihm nicht gefiel, was er nicht konnte, was anstrengend war- warum soll er sie dann mögen?

Jetzt sieht die Sache anderes aus. Sie weckte in ihm die Lust sich zu bewegen und wahrzunehmen was er alles mit seinem Körper anstellen kann. Ab jetzt ist er viel in Bewegung und liebt es Neues auszuprobieren. Allerdings ist jetzt meine Zeit und Aufmerksamkeit gefordert, denn nichts mehr ist sicher vor seinen kleinen Händen. Alles muss erforscht werden und er kommt jetzt auch selber voran.

Wenn man ihn zu etwas zwingt schaltet er auf stur. Es muss erstmal sein Interesse geweckt werden.

Nachtragend ist er auch. Hat ihn jemand zu etwas gezwungen, hat er erstmal verloren. Ausser Ma. Das ist okay.

Oma wollte, dass er mal bei ihr länger bleibt und sein Mittagsschlaf in einem Reisebettchen macht..

Ich sage Euch, es gab Theater und seit dem will er nicht mehr bei ihr zu Hause sein. Bei uns schon, mit mir zusammen dort auch, aber weher er soll dort alleine bleiben...Da werden wir wohl nach einer Strategie suchen müssen..

Ich versuchte mir anzuschauen wie es so bei mir ist. Wenn ich zu etwas keine Lust habe, dann sperre ich mich auch dagegen. Wir Erwachsenen haben so unsere eigenen Strategien entwickelt. Wir brüllen nicht rum, aber wir lügen zum Beispiel. Wir sagen dann, ich kann nicht weil...Oft sagen wir noch nicht mal ehrlich, dass wir einfach nicht wollen oder keinen Bock darauf haben. Keiner von uns würde zugeben, dass er es nicht kann oder Angst davor hat. Und oft tun wir vieles trotz dem und machen womöglich die gleiche Erfarung wie der kleine Keks, wenn es uns doch gelingt, sind wir stolz auf uns und glücklich!