Glück oder Unglück?

8. Mai, 2017
8. Mai, 2017

 

 

Die Ärztin konnte nicht mehr länger auf meinen Mann warten, also fingen wir mit der U2-Untersuchung an. Komischerweise holte sie Xboy garnicht dazu.

Wir standen zusammen im Intensivzimmer. Sie fing an mir von den Anzeichen der Trisomie 21, auch Down- Syndrom genannt zu erzählen. Es besteht der Verdacht. Wir müssen Blutabnehmen um es einzuschicken um einen Gentest zu machen.

Das was in mir in diesem Moment vorging, kann ich glaube ich nicht beschreiben...ich versuche es so gut wie ich kann..

Der erste Gedanke war, dass es doch garnicht möglich sein kann...

Wir haben doch Tests gemacht. Die teure Blutuntersuchung.

Die Nackenfaltenmessung!

Von der Fruchtwasser- Untersuchung wurde uns abgeraten, da die anderen Tests die Wahrscheinlichkeit einer solchen Behinderung mit hocher Prozentzahl ausgeschlossen haben!

Der zweite Gedanke war, was sage ich meinem Mann?!?

Ich schenke ihm nur ein einziges Kind, denn mehr kann ich nicht mehr haben und es ist nicht gesund!! Wie soll ich es ihm um Gottes Willen sagen!!!

Der dritte Gedanke kam nicht mehr, ich brach einfach zusammen.

Die Ärztin fing mich auf, setzte in einen Sessel. Meine Klamotten wurden mir ausgezogen und der kleine Schnuffelmann auf mich gelegt.

Ruhe...Stillstand...Nichts...

In Wellen kam das schluchzen, schreien, heulen und dann wieder Ruhe...musste mich doch zusammenreißen, der Kleine lag auf meiner Brust..

Nach einer Stunde musste ich aufstehen und mit der Ruhe war es vorbei..

Die Gedanken überschlugen sich förmlich, von der Frage warum es uns trifft und was das ganze soll, bis ich will das nicht, ich will ein gesundes, normales Baby!

Ich will einfach nach Hause, die Zeit zurückdrehen, wieder zwei Tage zurückspulen!

Dann kam mein Mann. Die Ärztin hat auf ihn gewartet, trotz ihres Feierabends blieb sie um mit ihm zu reden.

Mein Schatz, mein Liebling, mein Held, mein Ritter!

Er hielt mich fest obwohl er selber höchstwahrscheinlich kaum stehen konnte.

Ich lag zu dem Zeitpunkt in einem Vierbett-Zimmer, er sorgte dafür, dass ich in ein anderes kam. Pa hatte keine Zeit zu denken, weil er sich um mich kümmern und sorgen musste.

Ich rief einen Freund an, der Psychiater ist und bat ihn vorbeizukommen um mit uns zu reden. Seine ruhige Art und das wie er mit uns sprach half ein wenig. Kein Mitleid, kein Bejammern, einfach sachlich was zu tun ist, was es verändert, wie es sein wird.

Ich erhielt was zur Beruhigung und schlief. Pa fuhr nach Hause und forstete, die ganze Nacht das Internet durch nach Informationen. Er las, schaute sich Videos an, suchte nach Erklärungen,  Umgangsmöglichkeiten.

Nach Zeichen die dafür sprechen das Xboy es hat und ob was dagegen spricht.

Jedes mal wenn wir beim Kleinen waren wurde er von uns genaustens beobachtet. Wir diskutierten, stellten Wahrscheinlichkeitsrechnungen auf, Glück- oder Unglücksfragen tauchten auf.

10 Tage sollte es dauern bis wir die Ergebnisse haben.

Sehr lange Tage!

Es gab Menschen, Schwestern, Hebammen die sich unser sehr angenommen haben. Uns auf alle möglichen Weisen unterstützt haben. Sie haben uns aufgebaut, Info- Material gegeben, versucht es uns von Aussen so angenehm zu machen wie es ging. Ein besseres Zimmer, ein gutes Essen, ein Gespräch, ein Getränk und so weiter. Dafür ein aurichtiges DANKE!

Geholfen hat mir ein Gedanke:

Ich überlegte mir, dass es ganz schön egoistisch ist in so einem Zustand zu sein. Die Freude über die Geburt des Babys war weg.

Was tun wir ihm da an?

Warum denken wir nur an uns?

Wie wird unser Leben sich verändern?

Wie sieht unsere Zukunft aus?

Was sagen die anderen Menschen in unserem Umfeld?

Was sagt die Familie usw.

Und was ist mit dem kleinem Mann?!

Ich wollte das nicht! Ich wollte mich freuen!