Wie ist es mit dem Stillen?

2. Apr, 2017
2. Apr, 2017

Ach ja, das Stillen...

Xboy lag insgesamt 32 Tage auf der Intensivstation.

Zuerst hat er Schwierigkeiten beim Atmen. Er hat eine Sonde in der Nase gehabt, die seine Atmung unterstützt hat. Dazu noch eine Magensonde. Da er seine Wärme nicht selbständig regulieren konnte, lag er in einem Wärmebettchen. Seine Herztätigkeit, Sauerstoffsättigung wurden durch ein Monitor überwacht. Das bedeutet, dass er total verkabelt war.

Kuscheln war kaum möglich, praktisch nur dann wenn er versorgt wurde. Also beim Windelwechsel und " Füttern" wurde er von den Überwachungsgeräten abgemacht. Die Sonden blieben in der Nase.

In den ersten Tagen durfte ich mit einem Wattestäbchen etwas von der abgepumpten Milch in seinen Mund geben. Er hat dann ein wenig daran gesaugt. Das was er an Nahrung brauchte- einige ml Muttermilch- wurden ihm durch die Sonde verabreicht.

Ich wurde gefragt ob ich Stillen wolle oder eher Fläschchen geben. Ich setzte mir in den Kopf unbedingt zu Stillen.

Es sei bei Downsyndrom Kindern nicht so einfach, wurde ich gewarnt. Der Muskeltonus der Kinder sei im allgemeinen sehr schwach und die Kiefermuskulatur, die Koordination der Zunge bereiten den Babys Schwierigkeiten. Ich überhörte es und bestand weiterhin auf mein Vorhaben.

In der Tat sah ich, dass es nicht einfach für den Kleinen ist, aber er konnte es! Er schaffte aber nicht so viel wie laut Anordnung der Ärzte nötig war um zu wachsen und zu gedeihen.

Es gab Vorgaben für den Zeitpunkt der allgemeinen Versorgung, für die Dauer der Mahlzeit und die Menge der Nahrung. Ob Muttermilch oder Ersatzmilch spielte keine Rolle.

Diese Mischung aus den Konstitutionell bedingten Dingen und den Vorgaben der Intensivstation machten das ganze praktisch unmöglich!

Ich wollte den kleinen Mann in meinen Armen halten, ihn küssen, knuddeln, meine Brust anbieten, Zeit haben...das ging leider nicht..Trotz allem legte ich ihn an. Immer wieder.

Ich verlor oft die Geduld, schimpfte mit mir selbst, über die Schwestern, über die Ärzte, das Krankenhaus, über den Kleinen..Was mein Mann sich anhören musste mag ich Euch nicht erzählen. Auch ihn verließ oft der Mut.

Es war eine Mischung aus Freude über jeden Milliliter den er trank und Verzweiflung wenn er vor Erschöpfung und dem Sattsein der letzten Mahlzeit ins Schlafkoma fiel..

Denn praktisch das was er nicht geschafft hat so zu trinken, wurde sofort nachsondiert. Alle vier Stunden 70 ml. Stillen dauerte z.B eine Stunde plus Windeln wechseln ein und halb. Gerechnet wurde vom Anfang der Prozedur. Das Sondieren halbe Stunde. Wie soll das Kind zwei Stunden später Hunger haben?! Geschweige denn überhaupt wach sein?!

Ich weiß nicht wie oft wir wütend waren! Schnellen Schrittes über das Krankenhausgelände spazierten um uns abzuregen. Mit den Schwestern diskutierten..

Ich kapierte, je länger ich auf das Stillen poche, desto länger wird alles dauern. Und mit der Pumpe war ich praktisch verheiratet!

So war mein Alltag. Das Baby versorgen, pumpen bis der Arzt kommt damit die Milch nicht weg bleibt, dann mal was essen und schlafen ( wenn es ging ).

Mit der Flasche ging alles etwas schneller.

Zu Hause werde ich daran arbeiten, dass es klappt, sagte ich mir. Immerhin bekommt er meine Muttermilch aus der Flasche, war mein Trost.

Es ging auch etwas schneller voran, bis eines Tages endlich die Magensonde entfernt wurde!