Ich und mein Schirmchen

Für viele Augen bin ich ein kleiner Junge, der etwas anderes aussieht, sich anderes bewegt und mit 2 und 4 Monaten noch nicht spricht.

Ich bin langsamer als andere Kinder und wirke ungeschickt. Meine Nase läuft andauernd und meine Augen tränen dazu. Rote Bäckchen habe ich auch.

Ich bin oft fröhlich, lächel Menschen an, manchmal schaue ich aber nur. Ich reagiere nicht sofort auf ein „- Hallo“ oder eine andere Aufforderung. Ganz oft mache ich einfach mein Ding.

 

Für die Augen meiner Familie bin ich ein kleiner Wirbelwind. Ständig in Bewegung, am ausprobieren, nachahmen, lernen. Ich will alles kennenlernen, alles sehen, alles anfassen, alles mitmachen. Ich bin frech, lustig und am dauer Babbeln. Meine Nase läuft schon viel weniger, Augen tränen nur noch selten, meine Bäckchen sind eher braun von der Sonne. Ich weiß genau wenn und was man mit mir spricht und was von mir gewollt wird, manchmal habe ich aber keine Lust dem nachzugehen. Wenn ich konzentriert bin, bin ich eben bei der einen Sache.

Und ich bin der hübscheste Junge der Welt.

 

Ich bin groß geworden, sagen viele. Ich sehe nicht mehr wie ein Baby aus, sondern wie ein kleiner Bub- sagt Papa.

Ich liebe es mit Autos zu spielen, ich liebe es zu rutschen und zu schaukeln.

Ich liebe das Wasser- Baden, Schwimmen, alles was man mit Wasser machen kann.

Ich liebe mein Sandkasten und meine Matschküche, die Mama vor kurzem für mich gebaut hat.

Ball spielen ist toll!

Mein Bällebad dient dazu, die Bälle in der ganzen Wohnung zu verteilen.

Aber über Alles, liebe ich mein Bobbycar. Damit bin ich super beweglich, super schnell und komme überall dort hin wo ich will. Wer braucht schon das Laufen, wenn man Bobbycar fahren kann. Beim Camping ist es das beste Fortbewegungsmittel ever um alles zu erkunden. Ein netter Nachbar hat mir jetzt sogar einen Anhänger geschenkt. Das ist so super! Jetzt kann ich auch noch alles aufsammeln was ich so finde. Steine von den Nachbarn, Sand, Blätter, einfach alles was mich anspricht.

Klettern ist meine Leidenschaft. Auf Sofas, Stühle, Tische, Bänke, Mauern, Zäune, Treppe, Leiter, Klettergerüste auf Spielplätzen und überall wo man es nicht darf.

Musik hören, selber machen, tanzen. Mein Lieblingslied ist „ Der Körperteil Blues“

Tiere sind sehr faszinierend, mein Hund ist aber der beste.

Ich schaue Fernseher, sehr selten, aber ich liebe „ Leo Lausemaus“

Ich habe in den letzten Monaten viel erlebt. Wir waren im Urlaub mit dem Wohnwagen. Es war sehr schön. Ich reise sehr gerne mit meiner Familie. Aber das verblasste sehr schnell, denn es gab etwas was uns sehr beschäftigt hat und etwas Angst gemacht hat. 

 

Vor ein paar Tagen war ich im Krankenhaus, darüber habe ich schon berichtet.

Es gab paar Momente die nicht so schön und angenehm waren.

Ich hatte Angst vor den Menschen in weißen Kitteln. Es tat auch mal weh.

Manche waren aber trotzdem sehr nett und haben mit mir Spaß gemacht.

Am liebsten mochte ich die, die mir erklärt haben was sie tun und wenn ich ihnen dabei helfen konnte.

Es gab aber welche, die nichts gesagt haben oder nur böse geschaut haben und dazu noch mit mir etwas gemacht haben, was ich nicht verstanden habe.

Festgehalten wurde ich auch und das fand ich sehr unangenehm.

An einem Tag, da kamen Menschen und plötzlich wurde ich sehr müde.

Dann schlief ich wohl ein.

Als ich wach wurde hörte ich die Stimme meiner Ma und meines Pa`s, aber die waren sehr weit weg...

So als wenn sie hinter einer Wand wären.

Und ich spürte, dass ich festgehalten werde.

Komische Geräusche kamen von allen Seiten. Piepen, Babygeschrei, Stimmen von anderen Menschen...

An mir klebten irgendwelche Dinge mit Kabeln und Nadeln waren in meinem Arm, mein Hals tat mir weh, meine Leiste auch.

Man hatte ich Angst! Ich wusste nicht was mit mir passiert.

Ma und Pa waren so weit weg! Ich schrie nach ihnen, ich schrie vor Angst!

Bis plötzlich meine Ma mich auf ihren Arm nahm. Das wusste ich, dass sie es war, sie roch nach ihr und sprach mit mir. Dann wurde ich ruhiger und schlief wieder ein.

Beim zweiten aufwachen lag ich im Arm meiner Mama und meines Papas.

Zu dritt auf einem Bett. Den ganzen Tag musste ich liegen und durfte nicht aufstehen.

Ich habe so viele Folgen von „ Leo Lausemaus“ gesehen, wie noch nie.

Wir hörten Musik, lasen Bücher. Meine Schwestern sind später dazu gekommen.

Nachts ist Papa ins Auto gegangen und hat dort geschlafen, Mama blieb bei mir.

 

Mama sagt, dass ich jetzt ein Schirmchen im Herzchen habe. Sie meinte es habe ein Löchlein von ca. 10 mm zu gemacht. Dadurch arbeitet mein Herz jetzt zur 100 % richtig und mein Blut hat viel mehr Sauerstoff. Das war der Grund warum ich im Krankenhaus lag.

Es war nicht lange, nur ein paar Tage. Wir haben es gemeinsam gemeistert und sind jetzt glücklich es hinter uns zu lassen. Alles was unangenehm war habe ich ganz gut verkraftet und bin froh, dass meine Familie bei mir sein durfte.

 

Als ich wieder aufstehen durfte war ich so glücklich, dass ich mich nur noch bewegen wollte.

Man, ihr könnt euch nicht vorstellen was das für Spaß macht! Ich bin so fit!

Meine Eltern habe nur noch gestaunt und sind überrascht, dass es so schnell ging. Ich habe Energie für zwei!

Ich traue mich jetzt mehr, ich halte es viel länger aus und muss mich nicht ausruhen. Ich verstehe plötzlich viel mehr und will alles nachmachen was andere tun.

 

Mein Aufenthalt im Krankenhaus war Gott sei Dank nur kurz und ich musste zwar einige Dinge über mich ergehen lassen, aber ich merke, dass es gut für mich war.

Ich habe dort Kinder kennengelernt die noch viel länger dort sein müssen und viel schlimmere Erfahrungen machten und viel mehr ertragen mussten als ich.

Ich wünsche ihnen allen, dass sie bald nach Hause können und ihr Alltag wieder normal sein kann. Ich wünsche ihnen, dass sie toben können und Spaß haben wie alle anderen Kinder.

 Ich möchte mich noch bei Euch bedanken. Dafür, dass Ihr mir die Daumen gedrückt habt. Für alle Euren lieben Worte, Nachrichten und für die Aufmunterungen der Mamas deren Kinder auch so etwas erlebt haben. Wir sind sehr berührt. 

Das war es jetzt von mir.

Bleibt gesund

Euer Xboy

 

Und wenn Ihr über mich gerne liest, dann hinterlässt doch mal ein Zeichen von Euch oder schreibt mir etwas. 

Wenn Ihr mir persönlich schreiben möchtet dann tut es unter der Email   ma@xboystrahlemann.de